Gregor Frehner

Steinbildhauer/Restaurator Künstler

"Die Bürger von Calais
Ausführung einer Sockelplatte für "die Bürger von Calais" von Auguste Rodin im Kunstmuseum Basel.

Bericht:

Vorsituation:
Im Hof des Kunstmuseums Basel ist einer der 12 Abgüsse von Rodins „die Bürger von Calais“ aufgestellt. Der Bronzeguss mit den Dimensionen B x T x H = 240 x 180 x 220 cm stand bisher parallel zum leichten Gefäll des Terrains -ohne Sockel oder Unterlage- direkt auf dem mit Kalksteinplatten ausgelegten Boden.

Ohne Sockel fehlte dem Kunstwerk die räumliche Abgrenzung zum Boden. Diese Erscheinung führte dazu, dass die Plastik betreten wurde.

Sockel:
Durch das Aufstellen der Plastik auf eine Sockelplatte wurde eine optische und räumliche Abgrenzung angestrebt, die das spontane oder unüberlegte Betreten verhindern soll.

Dimension:
Die Dimension der Sockelplatte wurde analog der Ausstellungssituation im Hirschhorn-Museum von Washington festgelegt. (Vergleiche hierzu: Candida Höfer „Zwölf – Twelve“,Seiten 47 und 49).
Die Sockelplatte ist 18 cm stark und steht der Plinthe jeweils 5 cm vor, was zu einem Ausmass von L x T x H = 249 x 189 x 18 cm geführt hat.

Material:
Die Fassaden des Museumsgebäudes sind konsequent mit Steinmaterialien aus der Schweiz gebaut. Für die Sockelplatte wurde ein Gestein gewählt, welches dem Sockel- und Stufenbau im Museumshof entspricht. Diese Bauelemente wurden aus Marmor von Castione gefertigt. Dieses Material ist ein grobkörniges, gelblichweisses bis grauweisses, meist stark gestreiftes Gestein mit sichtbarem Gehalt an braunem, in Lagen angeordnetem Glimmer. Enthaltenes Pyrit kann braune Flecken verursachen, die Verwitterung führt –wie bei grobkörnigem Marmor– zu einer rauen Oberfläche.

Für die Sockelplatte wurde „Cristallina-Marmor“ aus Peccia gewählt, welches in der ausgesuchten Varietät „Colombo Chiaro Classico“ sehr ähnlich aussieht, wie der Marmor von Castione aber die wesentlich besseren, bauphysikalischen Werte aufweist.

Nach dem Brechen des Blockes konnte ich diesen im Steinwerk „Maurino Graniti SA“ begutachten und bestimmen, aus welcher Schicht die Platte geschnitten wird. Dadurch war es möglich, ein bezüglich Farbe und Textur äusserst gleichmässiges Werkstück zu gewinnen.

Handling:
Vom Block wurde zuerst mit einer Seilsäge eine ca. 19 cm starke Scheibe zugeschnitten.
Anschliessend wurde die Platte (als „Unmassplatte“) auf das gewünschte Mass zugeschnitten und die Oberseite der Platte wurde auf die gewünschte Stärke von 18 cm abgehobelt. Durch das Hobeln wurde die Fläche völlig plan.

Die sichtbaren Flächen (Strirnseiten) und die Oberfläche entlang den Kanten, wurden geschliffen und die Kanten leicht gerundet.

In diesem Zustand wurde die Platte nach Winterthur in meine Werkstatt geliefert.
Es erfolgte der „Feinschliff“ und das Einlassen von Gewindehülsen in die Oberseite der Platte.

Versetzen:
Am Montag den 25. Juli wurde die Platte auf einen Lastwagen verladen und nach Basel transportiert.

Der Lastwagen musste sehr präzise positioniert werden, damit es möglich wurde, die Platte möglichst weit in den Hof hinein zu heben.

Dabei erwiesen sich die 4 eingelassenen Gewindehülsen als sehr zweckmässig. Durch das Eindrehen von Ringschrauben wurde die Voraussetzung geschaffen, dass die Platte ohne Gurten „von oben“ angehoben werden kann.
In dieser Weise wurde es möglich, die Platte durch den Torbogen hindurch in den Hof zu heben.

Jede einzelne Ankerhülse trägt 1 Tonne, das Gesamtgewicht der Platte beträgt 2,5 Tonnen, d.h. dass die Platte punktuell mittels jeweils einer oder zwei Hülsen angehoben werden kann, um z.B. einen Keil zu unterlegen.

Die Platte wurde zum Standort gerollt und parallel zum Terrain auf 4 Bleiauflager in den Ausmassen 25 x 25 cm aufgelegt. Hierfür wurde ein mobiler Kran mit 2 Flaschenzügen verwendet.

Nach dem Platzieren der Sockelplatte wurden die Ringschrauben ausgedreht, die Gewindehülsen wurden mit Schmierfett isoliert und einem Deckel verschlossen.
Um die Gewinde dereinst wieder in Gebrauch nehmen zu können, müssen die Kunststoffdeckel
und die sich in den Gewindegängen befindlichen Verbandsstoffwickel entfernt werden.

Über die definitiv platzierte Sockelplatte wurde die Bronzeplastik gefahren, ihre Lage justiert
und dann wurde der Zwischenraum zwischen Plastik und Sockel kontinuierlich verringert, bis sich die beiden Elemente berührten.

Für den Bericht:Winterthur, 9. August 2011
Gregor Frehner

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HERRMANN GERMANN